38 Jahre Bibelseminar im Überblick


(tw) Achtunddreißig Jahre sind eine lange Zeit, die kaum einer der Lehrerenden oder Studierenden überblicken kann. Um die Geschichte des Marburger Bibelseminars noch einmal nachzuvollziehen, folgt ein Rückblick, der anhand der Rundbriefe erstellt wurde. Falls das eine oder andere wichtige Ereignis oder die eine oder andere wichtige Persönlichkeit übersehen wurde, bitten wir jetzt schon vielmals um Entschuldigung. Aufgeschrieben ist hier wie gesagt nur, was in den Rundbriefen "aktenkundig" geworden ist.

1971


"Kennen Sie die Bibel? – Können Sie über Glaubensfragen genau und gewiss Auskunft geben? – Arbeiten Sie in Ihrer Gemeinde gezielt mit?" So fragte einer der ersten Prospekte des Marburger Bibelseminars. Um all denen, die sich hier unsicher waren, aber nicht gleich den Schritt hin zu einer Berufsausbildung im theologischen Bereich gehen wollten oder konnten, eine Möglichkeit zur Ausbildung zu bieten, wurde das Bibelseminar am 1. November 1971 gegründet. Im Programm waren mehrere Kurzseminare, die zwischen einer und drei Wochen dauerten, sowie zwei Halbjahreskurse, einer im Winter und einer im Sommerhalbjahr – das "klassische" Bibelschulprogramm also. Direktor wird Karl-Heinz Bormuth.

1974


Als Ergänzung der bisherigen Ausbildung wird ein Jahreskurs angeboten, der im September 1974 das erste Mal begonnen wird. Ende August des Jahres kommt Sr. Marianne Hermann ans Bibelseminar, die über lange Zeit für das Leben im Haus verantwortlich sein wird. Ganz früh dabei war auch Bärbel Wittchow, die mit ihren Kursen zu den neutestamentlichen "Haustafeln" und dem 1. Petrusbrief ganzen Studierendengenerationen in Erinnerung ist.

1976


Studierende des Bibelseminar arbeiten unter anderem beim ersten Christival in Essen mit.

1977


Um bei den verschiedenen Einsätzen mobiler zu sein, wird das erste "Bibs-Auto" angeschafft: ein Opel Kadett, der praktisch bis zum Auseinanderfallen im "Dienst" bleibt.

1978


Der erste von einigen Umzügen steht an. Um mehr Platz für Unterricht und Studierende zu haben, zieht das Bibelseminar von der Schwanallee 57 in die Nr. 53 (heute das Bodelschwingh-Studienhaus). In seinem ersten Stock befinden sich der Klassenraum sowie Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Büro von Sr. Marianne. Im Erdgeschoss und in der dritten Etage sind die Studierenden untergebracht. Die zweite Etage wird von einer Familie bewohnt und wird nach deren Auszug 1982 dem Bibelseminar zugeschlagen.

1980


Nach den äußerlichen durch den Umzug stehen nun andere Veränderungen an. Neben dem Jahreskurs soll ein zweijähriger etabliert werden, der dann auch BAFöG-berechtigt wäre. Doch noch während die Verhandlungen darüber andauern, kommt von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die Nachricht, dass sie nur noch dreijährige Ausbildungen mit einem anschließenden Anerkennungsjahr anerkennen werde. Der zum 1. Oktober geplante Zweijahreskurs wird deshalb nicht umgesetzt. Stattdessen steigt man in die Planungen und Vorbereitungen für eine dreijährige Ausbildung ein, was allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Gleichzeitig ist dieser Umbruch ein Anlass für einen Rückblick. Stolz kann vermeldet werden, dass das Bibelseminar von 1971 bis 1980 insgesamt 325 Studierende hatte. Von ihnen arbeiteten 32 hauptamtlich in der Gemeinde, elf davon als Prediger, JugendleiterInnen und GemeindehelferInnen, vier waren in der Mission tätig, rund hundert waren nebenberuflich in der Gemeinde engagiert.

1985


Im Juli 1985 schloss das Kinderheim, das im Haupthaus Schwanallee 57 untergebracht war, endgültig seine Pforten. Für das Bibelseminar bedeutete dies eine neue Herausforderung. Zum einen konnte durch die Übernahme des Hauses endlich der Platzmangel beseitigt werden, der bisher dazu geführt hatte, dass jedes Jahr BewerberInnen abgewiesen wurden (wobei das große "I" täuscht. Wie die Rundbriefe beklagen, wurde vor allem Männern die Tür gewiesen, was mit der beengten Wohnsituation zusammenhing). Ein angenehmer Nebeneffekt war, dass nun die Unterrichtsräume von der lauten Schwanallee wegverlagert werden konnten. Allerdings musste mit dem Schließen des Kinderheims das Bibelseminar auch selbst für die Verpflegung seiner Studierenden sorgen, was vor allem finanziell eine große Belastung bedeutete – zeitweise wurde sogar ein eigener Koch angestellt. Die Umbauarbeiten in Haus 57 konnten übrigens nur durch die tatkräftige Mithilfe von Studierenden und Ehemaligen geleistet werden. Mit dem Umzug verbunden war eine neue Namensgebung, die heute nur noch teilweise erhalten ist (Ortskundige wissen, dass da eine Tafel neben der "Code-Tür" angebracht ist...). Aus dem alten Bibelseminargebäude in der Schwanallee 53 wurde das "beth schalom" ("Haus des Friedens"), das neue, Schwanallee 57, nannte man "beth midrasch" ("Haus des Bundes"). Das heutige Wohngebäude Schwanallee 57d hieß fortan "beth-betach" ("Haus des Geborgenseins"). Trotz dieser Namensgebung wurde Hebräisch jedoch weiterhin nicht am Bibelseminar unterrichtet.

1986


Die neue Ausbildung nimmt Gestalt an. Ab 1986 wird der Jahreskurs zu einem Grundseminar umstrukturiert, dem ein Oberseminar folgen soll, das zuvor schon von einer Handvoll Ehemaligen "getestet" wurde. 1987 wird die neue dreijährige Ausbildung von Seiten der Kirche offiziell anerkannt.

1987


Weitere Veränderungen stehen ins Haus. Zunächst einmal ein Tausch: Das alte Bibelseminargebäude in der Schwanallee 53 wird abgegeben, statt dessen erhält das Seminar das Haus Nr. 47. Mit diesem Wechsel war natürlich eine gewisse Wehmut verbunden, schließlich gab man damit das "Stammhaus" auf – womit allerdings die Rentabilität des Bibelseminars gesteigert wurde. Ein weiterer wichtiger Schritt war die Anstellung des ehemaligen Thailandmissionars Ernst Horn, der nicht nur durch seinen Unterricht, sondern auch durch sein handwerkliches Können als Quasi-Hausmeister und "Mädchen für alles" über mehr als ein Jahrzehnt das Bibelseminar geprägt hat. Nicht zuletzt gehen die asiatisch anmutenden Einrichtung des Andachtsraumes unter dem Dach sowie die "Pitti"-Feiern auf ihn zurück, die über lange Zeit im monatlichen Abstand als gemeinsame Geburtstagsfeiern begangen wurden.

1990


Um einen besseren Kontakt zu den Ehemaligen halten zu können, wird 1990 die Communitas Sympea ins Leben gerufen, in der sich Bibelseminar AbsolventInnen zusammen schließen. Im selben Jahr gelingt beim Abschlussfest die große Überraschung: Mit einer heimlichen Spendenaktion haben die Studierenden der dritten Klasse soviel Geld zusammenbringen können, dass der alte Bibs-Kadett aus dem Verkehr gezogen werden konnten – in den er sich immer unzuverlässiger hineinbegeben hatte. An seiner Statt glänzte nun ein roter VW Golf in der Garage, jener Bibs-Golf, der über zehn Jahre seine Dienste tat. Wie "bodenständig" es damals zuging, zeigt ein Blick auf die weiteren Gaben, die seinerzeit überreicht wurden: Neben einem theologischen Standardwerk waren dies auch Kartoffeln, Mehl, Marmelade, Eier, Saft, Salat und Gemüse sowie zwei Schweine. Von letzteren hatte das Bibelseminar allerdings nicht lange etwas, da wenig später das Kühlhaus seinen Geist aufgab. Um dem Problem Herr zu werden, mussten für eine Weile die täglichen Fleischportionen erhöht werden.

1994


Mit dem Märzrundbrief 1994 wird bekannt gegeben, dass ein eherner Vorsatz des Bibelseminars aufgegeben wurde: Für die – in heutigen Ohren unvorstellbare – Summe von DM 6000 (selbst der Golf hatte nur DM 14000 gekostet) wurde ein Computer fürs Büro angeschafft, weil die Arbeit ohne ihn nicht mehr zu bewältigen war. Mit ihm zusammen kam eine neue Telefonanlage (die alte wurde nach Polen verschenkt), so dass das Bibelseminar nun auch per Fax erreichbar war.

1996


Das Jahr 1996 brachte die bisher größte Veränderung in der Leitung des Bibelseminars. Im Frühjahr hörte Sr. Marianne aus gesundheitlichen Gründen auf, im August ging Karl-Heinz Bormuth in den Ruhestand – eine Bezeichnung, die er sicher anders als andere füllt, schließlich unterrichtete er danach noch weiter am Bibelseminar. Sein Nachfolger wird Dr. Klaus Meiß, der seit Juli 1995 mit einer Teilstelle am Bibelseminar angestellt war, um sich einarbeiten zu können. Sr. Mariannes Platz übernimmt Sr. Gisela Staib.

1997


Auf den Rundbriefen von 1997 zeigt das Marburger Bibelseminar zum ersten Mal sein neues Logo, die aufgeschlagene Bibel vor der Silhouette der Stadt. Doch die "Modernisierung" geht noch etwas tiefer. Angesichts der bei allen Bibelschulen zu beobachtenden Rückgänge in den Bewerberzahlen sucht man nach neuen Wegen, um das Bibelseminar attraktiver zu machen. Erste Überlegungen, neben der kirchlichen auch die staatliche Anerkennung als Fachschule für Sozialpädagogik zu erreichen, werden angestellt.

1998


Mit der Umgestaltung der Ausbildung eröffnet sich eine neue Möglichkeit: Für ErzieherInnen kann nun eine anderthalbjährige Zusatzqualifikation mit dem Abschluss als GemeindediakonIn eingerichtet werden. Im Herbst 1998 beginnt schließlich die erste 1. Klasse die neue Ausbildung zur GemeindediakonIn und ErzieherIn. Der Kurs existiert bis 2008, wo er aus Platzmangel eingestellt werden musste.

1999


Im Rahmen einer Umstrukturierung gibt das Bibelseminar seine Küche auf. Von nun an werden die Studierenden vor und nach dem Essen in der "Hauptstelle" des Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverbandes (DGD) in der Stresemannstraße Gelegenheit zum "Verdauungsspaziergang" haben. Auch personell steht eine größerer Veränderung ins Haus: Ernst Horn wechselt als Direktor zur Marburger Mission. An seiner Stelle wird Thomas Weißenborn angestellt, der 2001 zum Doktor der Theologie promovierte.

2000


In Ergänzung von Esther Wollenschläger, die bald darauf das MBS verlässt, wird Sr. Gabriele Wagner für den sozialpädagogischen Bereich angestellt. In der Folgezeit findet mit der Bildung eines aus Klaus Meiß, Sr. Gisela, Sr. Gabriele und Thomas Weißenborn bestehenden Leitungsteams eine Umstrukturierung der Leitung des Marburger Bibelseminars statt.

2001


Rechtzeitig zum 30jährigen Jubiläum des Bibelseminars besteht der zweite Jahrgang die ErzieherInnen-Prüfung, die extern an der Käthe-Kollwitz-Schule in Marburg abgelegt werden muss. Damit steht einer staatlichen Anerkennung und der damit verbundenen Erlaubnis, ab 2002 selbst prüfen zu dürfen, nichts mehr im Wege.
Im selben Jahr erhält das Marburger Bibelseminar ein neues Logo, das bis heute verwendete Kürzel mbs. Allerdings warfen sie zunächst noch einen Schatten, und auch die Hausfarben wurden erst einige Jahre später definiert...

2002


Mit der Anstellung der Sozialpädagogin Sabine Lang im Jahr 2002 und von Birgit Wiedenmann, die ab 2003 Sr. Gisela Staib als Seminarreferentin ablöst, erhält das Bibelseminar weitere der heute bekannten Gesichter.

2003


Neben Birgit Wiedenmann wird auch Matthias Rüb angestellt, der als Diakon für die Seelsorge und das geistliche Leben am MBS verantwortlich ist.

2004


Das Bibelseminar gibt sich eine Vision und die ihr entsprechenden Werte.

2005


Aufgrund der steigenden Bewerberzahlen, die nicht nur zu immer längeren Wartelisten, sondern auch zu Absagen führten, entschließt sich das Leitungsteam auf einer Klausurtagung ab dem Sommer einen zweiten Kurs einzurichten. In den Folgejahren kommt es deshalb zu einem enormen Wachstum: Waren es im Jahr 2000 nur knapp dreißig Studierende, sind es im Schuljahr 2008/9 über 130. Hinzu kommen aktuell noch 45 im Berufsanerkennungsjahr. Aufgrund der Zweizügigkeit werden neue DozentInnen angestellt: Tim Bluthardt, Christine und Dr. Tobias Faix im Jahr 2005, Judith Otterbach 2006, Regina und Martin Rauh sowie Matthias Otte 2007. Sr. Tanja Brandl und Tobias Müller (2008) ergänzen das DozentInnenteam, zu dem auch Lina Fackiner und Cornelia Pfeiffer gehören. Hinzu kommen verschiedene HonorardozentInnen.
Mit der steigenden Studierendenzahl findet auch auf Schülerseite eine Umstrukturierung statt. Das "Prisma", die Vertretung der Klassensprecher, wird durch einen neu eingerichteten Vertrauensschülerrat ergänzt.

2006


Die mbs_akademie wird gegründet, um den AbsolventInnen des MBS und darüber hinaus Weiterbildungsmöglichkeiten zu bieten.

2008


Sr. Gabriele Wagner verlässt das Bibelseminar, weil sie in ihrem Mutterhaus in Lemförde gebraucht wird.
Im Herbst 2008 beginnt das mbs_studienprogramm "Gesellschaftstransformation", in dem die Studierenden in Zusammenarbeit mit der Universität von Südafrika (UNISA) einen theologischen Master erwerben können.
Mit dem Schuljahr 2008/9 beginnt eine Umstrukturierung der Unterrichtsinhalte. Unter dem Stichwort der Kompetenzorientierung (statt der bisherigen Stofforientierung) wird der Stundenplan auf Lernfelder umgestellt und die Inhalte modularisiert. Dieser Prozess ist für das erste Studienjahr weitgehend abgeschlossen, bei den anderen Ausbildungsjahren sind erste Schritte unternommen worden.

2009


Das Jahr 2009 beginnt mit der Verabschiedung einer Lebensordnung für DozentInnen und Studierende. Zusammen mit der Vision und den Werten bildet sie die Grundlage des Schulprogramms, das zur Zeit in einem Gremium erarbeitet wird, in dem neben den DozentInnen und Studierenden auch die MitarbeiterInnen vertreten sind. Gerade der Kreis letzterer ist durch die intensive Bautätigkeit und das Wachsen der administrativen Aufgaben in den letzten Jahren stark gewachsen.
Um das Studienprogramm und die Akademie besser zu integrieren, wird als Dach das "Marburger Bildungs- und Studienzentrum" geschaffen, zu dem neben den beiden auch das Bibelseminar als Fachschule gehören. Dem voraus ging eine Neuorientierung in der Leitungsstruktur, in der das alte Leitungsteam durch ein Leiterforum abgelöst wurde.
Birgit Wiedenmann geht im Oktober für drei Jahre nach Jerusalem, ihre Aufgaben übernimmt Kathrin Hausberg.